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Neuer Versuch – Teil 5

22. Februar 2017 - Allgemein
Neuer Versuch – Teil 5

 Swingerclub 5 – Neuer Versuch

Neuer Tag, neues Glück. Schließlich gab es ja die Chance, das es bei den Anderen ganz anders laufen könnte. Nicht alle Männer sind gleich. Nicht alle Männer sind so einfach gestrickt. So jedenfalls meine Einstellung den HERRlichkeiten gegenüber. Immer optimistisch, immer zuversichtlich! Mein Bemühen, bestimmte Vorurteile zu ignorieren, waren grenzenlos. Auch Männer haben eine Chance verdient!

Das nächste Objekt meiner Begierde war der Herr Doktor Ein gebildeter Mann von der hiesigen Universiät. Hier wäre die Möglichkeit einer Enttäuschung sicher gering, denn wer einen Doktortitel hat, der muss nicht lügen. Seine Sinnlichkeit und sein Verstand können den Reinfall des gestrigen Tages vergessen machen. Den Männern könnten eventuell wieder Eigenschaften wie heldenhaft, durchsetzungsstark und konsequent zugeordnet werden. Er hatte ja seinem Brief nicht nur schöne Worte und Komplimente, sondern auch seine Telefonnummer mitgegeben.

Was lag also näher als mutig anzurufen. Ohne Konzept, ohne Vorbereitung was ich eigentlich sagen wollte. Wahrscheinlich war er so in seine Arbeit eingebunden, dass das Krankenhaus seine zweite Heimat war. Zumindest stand er nicht auf Krankenschwestern in kurzen Schürzen. Mein erster Kontaktversuch landete auf dem Anrufbeantworter. Kurz, knapp und auf eine warme Stimme achtend, meldete ich mich und bat höflichst um Rückruf. Dieser Anruf war ja immerhin der erste Kontaktversuch und er erste Eindruck ist da immer oberwichtig und schon sehr entscheidend.

Das Ziel meiner Träume

Mein Name, meine Telefonnummer und, ganz wichtig, ein kleiner netter Satz, das sollte neugierig machen. Den ganzen Tag über stand das Telefon im starken Interesse meines Tun und Handelns. Es wurde lückenlos überwacht und ich lies es keinen Moment aus den Augen. Die Ohren, hoch sensibilisiert, reagierten auf jedes Geräusch. Nur um bei eventuellem Klingeln sofort zuschlagen zu können. Ein Arzt, der Traum einer jeden Krankenschwester, ein Kenner der weiblichen Anatomie und der weiblichen Psyche! Die Neugierde zauberte seltsame Bilder in meinen Kopf. Ich träumte von einem Helden, von meinem Fels in der Brandung!

Nach einer gefühlten „Ewigkeit“ klingelte es endlich. Im Sturzflug zielte ich auf den Hörer. Ich hielt ihn ganz fest. Ich meldete mich ganz lieb. Mein „Zukünftiger“ meldete sich daraufhin mit einem unerwarteten, leicht zitternden Tonfall: “Ah, meine kleine Süße, du bist so heiß, was soll ich für dich machen? Du kleines süsses Mädchen, sprich mit mir!“ Er hauchte mir dann noch verschiedene Worte ins Ohr, die ich bis dahin nur abwegigen Schriften hätte zuordnen können. Total verstört und doch sehr erschrocken legte ich nach kurzem Zögern den Hörer ganz leise wieder auf.

Äh, ja… Was war das gerade eben? Mann, Doktor, Fels, Brandung… Alles ging in meinem Kopf kreuz und quer. Ich fiel aus allen Wolken und ich wollte echt keinen Telefonsex. Orgasmus über Telefon! Neee… Freunde… so nicht. Jetzt brauchte ich erst mal einen Martini, um mich zu beruhigen und wieder in der Realität zu landen.

Einerseits und Andererseits

Ich war vor Schreck gelähmt und konnte gar nicht reagieren. Soviel Dummheit bei einem Doktor? Nach einer kleinen Minute Erholung korrigierte ich meine Vorstellungen über die Abkürzung Dr. vor einem Namen. Von wegen heldenhaft. Später lernte ich, dass solche Menschen nicht dumm sind, sondern als devot bezeichnet werden. Sie lieben Demütigung, weil sie diese einerseits als erotisch empfinden, andererseits haben sie von Erotik einfach eine andere Vorstellung. Na ja, jedem Tierchen sein Pläsierchen. Bei meinen späteren Entdeckungstouren lernte ich noch viel schärfere Varianten dieser Art von Mensch kennen. Das soll aber eine andere Geschichte sein.

Bei mir machte sich Trübsinn breit. Soviel Misserfolg deprimiert ungeheuer. Vielleicht interpretierten die Herren der Schöpfung meine Annonce falsch. Vielleicht war sie zu zweideutig. Nach nochmaligen genauerem Durchlesen waren Sinn und Zweck allerdings eindeutig erklärt. Wahrscheinlich hatte ich gleich zu Beginn die dümmsten Briefe erwischt und die Perle liegt im Stapel der Bewerber weiter unten.